TAZ Medientagebuch Februar 2011

TAZ-Medienredakteur Steffen Grimberg: Was für ein Medienmonat, was für ein Durcheinander. Der Februar spreizt sich zwischen zwei Männern mit langen Namen: Konstantin Neven DuMont und Karl Theodor Freiherr von und zu ¬ Sie wissen schon. Wobei es sich natürlich verbietet, einem alteingesessenen fränkischen Adelsgeschlecht mit einer „Sau“ zu kommen, die durchs Dorf getrieben wird. Und schon gar einer Sau des Monats. Schließlich ist auch sonst so viel in den Weiten unserer Republik passiert, dass man schon von einer ganzen Rotte mehr oder weniger niedlicher Quieker sprechen kann, die durchs mediale Unterholz preschen. Immerhin aus Köln am Rhein ist erfreuliches zu Vermelden: Pünktlich zur Karnevalszeit hat der Zeitungsgroßverlag M DuMont Schauberg seinen Vater-Sohn-Konflikt gelöst und hört auf mit dem närrischen Treiben.. Konkret heißt das: der Sohn, Konstantin Neven DuMont, der gegen den Vater aufbegehrte, geht. Der Vater bleibt. Und die lachende Dritte ist die Schwester, die übernimmt. Die Dynastie ist gesichert: Isabella Neven DuMont wird nun anstelle von Konstantin den Familienverlag führen und weniger Zeit für ihre Pferde haben. Chefredakteurin war sie ja schon mal – bei Zeitschriften wie dem Araber-Journal oder Pferde heute. Aber den Rest lernt sie „on the job“, wie man das im Mediengeschäft so macht. Auch rheinabwärts in Mainz stehen alle Zeichen auf Abschied: Beim ZDF, dem Zweiten Deutschen Fernsehen“, gehen gleich zwei, mit denen man bislang besser sah: Thomas Gottschalk verlässt „Wetten dass“. Und auch der Intendant mag nicht mehr: Markus Schächter kündigte überraschend an, dass er nur seine laufende Amtszeit voll macht und nächstes Jahr geht. Worauf sich die Politik mal wieder liebevoll des öffentlich-rechtliche Rundfunk annimmt: Einen öffentlich-rechtlichen König, zwar nicht wirklich adelig, aber ziemlich mächtig, gibt es ja nicht alle Tage zu küren. Deutlichstes Zeichen dieser wie immer hinter verschlossenen Türen ausgelebten Leidenschaft: Erstmals seit vielen Jahren gab es mal wieder eine vom Fernsehrat der Anstalt – einem Gremium mit eingebauter Politiker-Mehrheit – offiziell beschlossene Programmkritik: Das investigative Magazin „Frontal 21“ ist zu frech. Für seine Macher ist das sozusagen der höchstmögliche Ritterschlag. Und noch immer sind wir nicht beim Freiherrn von der mittlerweile traurigen Gestalt, sondern müssen uns vorher noch kurz einen anderen Ritterschlag, einen weiteren Weiheakt widmen. Der ähnlich un-überraschend ausfiel wie weiland, als die Kürfürsten des alten Reiches den Kaiser auskungelten: in Bayern übernimmt ein Staatsminister die Aufsicht über den Privatfunk. Auch der und dessen Organisation haben natürlich eigentlich staatsfern zu sein. Doch in Bayern gelten andere Regeln: „Rundfunk wird in öffentlicher Verantwortung und in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft betrieben“, so steht es in der bayerischen Verfassung. Das schließt Privatsenden eigentlich aus. Dass nun ausgerechnet München der größte und mächtigste Standort privater Fernsehsender von Sat,1 vis ProSieben ist, gehört genau so zur bayerischen Dialektik wie der Ansatz, einen Staatsminister staatsfern eben jenen in der Verfassung nicht vorgesehenen privaten Rundfunk zu beaufsichtigen. Womit wir bei Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg wären. Ein Mann, bei dessen Fall sich so manches große Blatt nicht mehr ganz so an seinen Beitrag zu dessen kometenhaftem Aufstieg erinnern mochte. Aber das größte Blatt Deutschlands bis zuletzt in Treue zu ihm hielt: Karl Theodor zu Guttenberg im Spiegel der Medien, oder so kurz wie griffig und twitter-fähig KTG und „Bild“ - das birgt Stoff für gleich mehrere Dissertationen. Denn was hat den Verteidigungsminister in den Rücktritt getrieben, obwohl er als Leibgarde Deutschlands größte Boulevardzeitung, aus allen Rohren feuernd, hinter sich wusste? Eine akademische Vierteljahreszeitschrift! Unerhört, wenn jetzt auch die bei solchem politischen Kesseltreiben mit tun. Und wenn sich in wenigen Tage, der letzte Pulverdampf der Plagiatorenschlacht verzogen hat wird sich zeigen: Was seine Medienkompetenz angeht, war der Freiherr eigentlich schon immer nackt. Ein Kunstprodukt, aufgebaut mit freundlicher Hilfe adliger Freunde auf dem Boulevard und anderswo, der im Outdoor-Outfit in Afghanistan mit Trekking-Weste und Frau zwar bella figura machte. Aber immer stärker auf die angewiesen war, die ihn stützten und verkauften. Die Frisur saß immer tadellos. Inhaltlich begann der Minister aber schon vor der Dissertationsaffäre zu schwächeln. Und dann kamen zwölf Tage, wie man sie in der Medienrepublik Deutschland selten erlebt hat. Eine derartige Polarisierung der Presse, aber auch eine derartige Salamitaktik der Politik beim scheibchenweisen Abrücken von einem der ihren hat man lange nicht mehr gesehen. Nun sitzt man zum guten Schluss mit einem nur zu gut bekannten Dilemma da: Die öffentliche Meinung steht noch ganz überwiegend hinter Karl Theodor zu Guttenberg. Doch die veröffentlichte Meinung hat den Stab über ihn gebrochen – bis auf eine. Und hieraus, liebes Medientagebuch, lässt sich eine frohe Botschaft ziehen: Auch die „Bild“-Zeitung ist längst nicht so mächtig, wie sie selbst es in ihren kühneren Momenten glaubt.

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