Was mach ich mit dem Material?

04.06.2015

Alfred ist ein gnadenloser Selbstdarsteller, läßt sein bewegtes Leben stets filmen oder filmt selbst. Er ist im Auftrag deutscher Stiftungen in aller Welt unterwegs, kandidiert auch schon mal fürs Europaparlament, interviewt nicht nur Franz Müntefering, sondern auch seine Eltern und seine Ehefrau. Der Berg an Filmen wächst und wächst und schließlich übergibt er 400 Stunden an den Filmemacher André Siegers, der daraus einen Film montiert, der eine ganz eigene Geschichte erzählt. Durch das Erzählen könne eine Biografie verschwinden, sagt Siegers anschließend im DokKa Zelt, um zu begründen, warum er seine Biografie im Rückblick erzählt, nach einem fiktiven Verschwinden Alfreds im ewigen Eis. David Loscher hält auch einen Nachlaß in Händen, einen echten, Hans Schaden ist schon länger tot. Und er versucht, daraus das Leben des Onkels zu rekonstruieren. Ein vordergründig unscheinbares Leben, das in Rumänien beginnt, ihn in den Krieg führt, in die russische Kriegsgefangenschaft, zurück in die Heimat, in der er als Deutschsprachiger nach dem Krieg schwer gelitten war, bis er aufgab und nach Deutschland ging. Ein Tagebuch gibt es nicht aber Briefe und Dokumente und Gedichte. Er hatte eine heimliche künstlerische Ader, die Loscher zu Gute kommt. Aus der Biografie macht er eine Performance, eine Revue, die Dokumente präsentiert er als Installation. Die Archive quellen über, auch die Privatarchive – und auf facebook, whatsapp und Co. werden sie immer umfangreicher. Aber wer will schon zum Archivar seiner selbst werden? Schätze ruhen hier, die zu heben lohnen – wenn es denn Schätze sind und nicht unbedeutender Plunder. – Da braucht es Autoren wir David Loscher und André Siegers.

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