Auf Messers Schneide

2.06.2014

Wie scharf sind die Grenzen zwischen den Genres? Zuerst Ausculta: Ein Hörvergnügen in 5.1! Das fürs Kino entwickelte Verfahren des surround-sounds wurde verfeinert und für Audio-Prodktionen weiterentwickelt und kehrte an diesem Sonntagmorgen ins Kino zurück. Die Aufnahmen entstanden ausnahmslos im Kloster Lichtenthal in Baden-Baden, dokumentieren den Alltag der Nonnen, das Klosterleben über ein Jahr hinweg. Ein Jahr wie ein Tag. Ein Tag wie eine Stunde. Es gibt keinen erklärenden Text, nur die Töne, die sounds, sorgfältig komponiert und arrangiert. Geht es noch um das bestimmte Kloster, oder das, was dort zu hören ist und was sich darin spiegelt, offenbart, verbirgt? Die Frage, ob das Feature oder Hörspiel sei, wurde glücklicherweise nicht gestellt. Eigentlich ist sie nicht relevant. Ebensowenig wie die, ob Panihida ein Dokumentar- oder ein Spielfilm sei. Gezeigt wird ein Totenritual, wie eine Verstorbene im offenen Sarg den langen Weg von ihrem Haus zum Friedhof von den Dorfbewohnern getragen wird. Es ist nachgestellt, doch nur der Priester ist ein professioneller Schauspieler, die anderen sind Laien, gecastet im Dorf. Aufgenommen wurde wiederum mit Dokumentarfilm-Mittel, ohne künstliches Licht z.B. Die vielen Gesprächsfäden der letzten Tage wurden jetzt verknüpft: haben Dokumentationen nicht auch immer etwas Fiktionales, allein durch die Anwesenheit von Kamera und Mikrofon? Und läßt sich manches nicht besser dokumentieren, indem man es nachstellt? Die Grenzen sind eben fließend: Sind O-Ton-Hörspiele z.B. nicht eigentlich Features? Die überkommenen Begrifflichkeiten stören vielleicht, sind aber nicht bloß hinderlich, sie können auch den Blick schärfen: Dokumentationen sind Arbeit mit und an der Wirklichkeit. Genügt das nicht?

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