7.4.-11.4.20 Tennis zu dritt (Behind blue eyes)

Feature von mobtik

Dauer: 4:59 Minuten

Audio-Nr: #4640

Inhalt: Essayistisches Protokoll

Ereignis Ort: Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Germany
Skript: Mir tut die Lunge weh Und ich suche nach einer Haltung. Ob der Strassenvekehr weniger geworden ist Hat mich jemand am Telefon gefragt Nein Davon habe ich nichts bemerkt Autos fahren nach wie vor Von a nach b auf und ab Die Umweltspuren wurden aufgelöst. Alles soll so schnell wie eben möglich so werden Wie es mal war Zurück in den Normalzustand Was war das nochmal? Der Normalzustand. Menschen tragen Masken Nicht erst seit Corona Doch jetzt werden bestimmte Dinge deutlicher als zuvor. mir nichts dir nichts Eigenschutz vor Solidarität Doch der Virus macht keinen Feiertag 1500 Bonus für Pflegekräfte Und 9000 euro für den Yuppie von nebenan. So geht eben Wirtschaft Hand in Hand. Im nächsten Leben werde ich Steuerberater. Zurück in den Normalzustand So schnell wie möglich. Alles so wie es einmal war. Tennis zu dritt Judo zu viert Geht jetzt auch nicht mehr. Irgendwie bekomme ich unbändige Lust auf Briefschach. Offiziersskat Das Leben auf Null geschaltet Prohibition Wohin mit all der Wut Wer ist eigentlich Schuld an dieser ganzen Sache? Geh mir aus dem Weg! Du Blödmann! Ein Meter Fünfzig Abstand Besser zwei. Und so wie du aussiehst drei. Am besten bleibst du ganz Zuhaus. Ich steh im kleinen Hundepark bei mir ums Eck am Grab von Pastor Friedrich Gerst. Ich kann mir diesen Namen einfach nicht merken. Dabei hab ich garkein Hund Wer einen braucht kann jetzt einen mieten „30 Euro für eine Stunde Gassi“ Alles schon gesehen. Menschen werden nicht auf einmal vernünftig Nur weil man es ihnen sagt. Rot heisst stehenbleiben Und bei grün darfst du los. Oder war das andersrum? Komm mir bloss nicht zu nah! Du Mensch! Du Mensch du. Zweihundert Meter Abstand Das wäre gut. Das würde uns allen guttun. Zweitausend Meter Abstand Von hier bis nach Bochum. Hier raucht doch irgendjemand Gras? Wer war das? Dann fällt mir ein Buch auf den Kopf: „Die Unsterblichkeit der Zeit - Moderne Physik zwischen Rationalität und Gott.“ Ein Blick hinter die Schädeldecke. Wäre jetzt von Nöten. Noch niemals war der Tod so nah. Für die meisten. Einmal vor Unerbittlichem stehen Wo keines Mutter sich nach uns umsieht Und kein Weib unsern Weg kreuzt. Ganz betrunken von dem Gefühl Jetzt sitzen wir allem im Boot. Im selben. Gibraltar. Erstmal durchkommen. Diesmal nicht. Diesmal nicht meine Freunde. Not yet Kameraden. Die liegen in ihren Kojen, noch besser Die sitzen im Kasino, Und feiern unsere Versenkung! Jetzt steh ich am Gabenzaun unserer Gefühle. Hier hängen leere Plastiktüten, Alte Klamotten Und eine Gesichtsmaske liegt im Dreck. Und währenddessen ploppen Champagnerkorken auf Instagram. Wann ist endlich alles vorbei Wann geht es da weiter wo wir aufgehört haben? Die Saison zu Ende spielen. Die Unmöglichkeit so wieder zu werden wie es mal war. Leibniz, Die beste aller Welten. Auch wenns kein Spass macht. Verzicht üben. Darum gehts jetzt. Ehr-geizig sein Weniger Internet, Weniger Netflix, Weniger Instagram. Wann Beginne ich das zu verstehen? Das hier ist mein erster Kaffee seit drei Wochen. Schmeckt. Tennis zu dritt. Hoffentlich ist der Akku bald leer. Achso, Sie haben mir heute das Wasser abgestellt. Kein Händewaschen Im ganzen Haus. Ich weiss garnicht wie ich mich fühlen soll. Behind blue eyes. Ach guck, Der da hinten Der hat doch gerade geschnieft. Ich habs ganz deutlich gehört Der hat doch grad geschnäuzt. Da schon wieder Da hinten hat doch jemand geniesst. Hinter meiner Maske Was sich da abspielt Frag Sido. Endlisch normale Leute. Aus der Not eine Tugend machen. Verzicht. Ich übe mich in Verzicht. Verzichte auf negative Gedanken. Ein Neubeginn. Ab jetzt nicht mehr „keine Fehler machen“ Ab jetzt, Fehler zulassen Verzeihen. Anruf von Zuhause. Mutti ist krank. Sie hustet. Es ist nur eine Erkältung. Ganz normal um diese Jahreszeit sowieso Ich soll mir keine Sorgen machen. Das Geld ist überwiesen. Irgendwie ist es auch schön. Endlich haben wir alle etwas gemeinsam Das uns bedrückt.
Upload Datum: 11.04.2020

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Dokublog Autor mobtik

Zum Autor: Kuesti Fraun, 1976 geboren, lebt und arbeitet als freier Autorenproduzent und Filmemacher in Düsseldorf, und seit 1999 eigenständig sowie als Mitbegründer des Kreativkollektivs mobtik mit zahlreichen Projekten in der Spannbreite von Medienkunst bis hin zu klassischeren Geschichten in Text, Bild und Ton weltweit auf Festivals, im Radio sowie Ausstellungs-, Kunst- und Filmpräsentationen vertreten - mehr und regelmässig aktualisierte Informationen gibt es im Internet auf http://www.facebook.com/mobtik

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