Raus in die Natur! denn das ist... Glück :)

Feature von Schweden

Dauer: 10:59 Minuten

Audio-Nr: #4387

Inhalt: Julia sagt ins Mikrofon: "Die Natur ist gut für den Mensch", Simeon baut im Wald ein Lager und nutzt diesen Rückzugsort zur Entspannung, zum Hausaufgaben erledigen, Freunden bei Problemen helfen und Karten spielen. Johannes bewohnt seit kurzem ein Naturfreundehaus und ich paddel mit meinem blauen Kajak über einen See in Schweden und erreiche das Ferienhaus gerade noch rechtzeitig vor einem sommerlichen Gewitter - Raus in die Natur! denn das ist... Glück :)

Skript: O-Ton (Mädchen): Es ist bunt, die Luft ist gut, es gibt dort auch Früchte, und Tiere, und sie ist gut für den Menschen, und man kann auch spielen.. Ich: (darunter Geräusche Schuhe binden, Treppenhaus, Schlüssel, Auto, Wald) Ich schlüpfe in die roten Laufschuhe, binde die Schnürsenkel zu einem Knoten, überprüfe deren Länge, um nachher nicht darüber zu stolpern. Den Himmel habe ich eben gecheckt, hohe weiße Wolken, harmlos. Pulli oder T-Shirt? Es ist Abend, Ende Mai und draußen explodiert die Natur. Ich möchte hinaus in den Wald, eine Runde joggen, meinen Körper erfrischen, runterkommen von der Arbeit. Um 19:30 Uhr scheint die Sonne, sendet warme Strahlen. Vom Waldparkplatz aus laufe ich in den Wald, verschwinde in einem Tunnel aus hohen Bäumen. Hier ist die Luft ganz anders als im Städtchen, weich und duftet sauber, nach Fichten, Harz und Moos. Gelber Huflattich säumt den Weg. Ich spüre den Wind auf der Haut an meinen Armen und Beinen, im Gesicht, über meinen Kopf hinweg ziehen Äste und Wipfel in denen es leise rauscht, die Weinbergschnecke kriecht über den Rollsplitt, hat alle Zeit der Welt, ich nehme einen großen Schritt und lasse sie hinter mir. Das Grün der Tannen beruhigt, Vögel singen, laden ein zum Konzert, bei freiem Eintritt. Simeon, 13 Jahre alt, hält sich gerne draußen auf und hatte eine geniale Idee. O-Ton: Also ich hab dort letztes Jahr ein Lager gebaut, von Natur aus, Holz, Hölzer und in der Nähe gab es auch einen alten Holzschutthaufen, da gab es dann Bretter, konnte ich mir dann holen. Habe mir dann einen kleinen Aussichtsturm gebaut mit meinen Freunden. Und ich bin sehr zufrieden damit, konnte dort abschalten, bin nach der Schule dorthin und habe mit meinen Freunden geschwätzt, es war eigentlich ganz gut. Also man hört die Stille, das Rauschen der Bäume, man kann einfach abschalten, manchmal auch Hausaufgaben machen, habe ich auch oft gemacht nach der Schule und manchmal habe ich auch mit meinen Freunden über Probleme geschwätzt, das finde ich auch ganz gut. Oft höre ich auch das Rascheln in Büschen. Es war noch nicht lang her, da war ich bei meinen Freunden und wollte zurück in unser kleines Lägerle zurück kommmen und da stand ein Reh mittendrin, das hat mich angeguckt, ich bin dann rückwärts gelaufen und da ist das zu mir her gelaufen, in dem Moment kam ein Freund von hinten und sagte: „Oh toll unser Lager ist noch gut erhalten!“ Das Reh hat einen Schreck bekommen und ist weggerannt. Hört sich an wie ein Hund irgendwie. (bellen Reh) Szenenwechsel Ruderboot Ich lasse das blaue Kajak ins Wasser, den Bootsteg kann ich vergessen, das Holz ist morsch, fault, vegetiert seit Jahren und versinkt zur Hälfte im Wasser. Das Ufer umgibt an dieser Stelle ein breiter Schilfgürtel, dessen Gräser dicht in die Höhe wachsen. Mit beiden Händen umgreife ich fest das Doppelpaddel, suche nach einer geeigneten Sitzposition, stoße mich vom Rand ab, hier ist es flach, ich robbe mit dem Oberkörper, verlagere mein Gewicht auf das Gesäß, bis der Grund allmählich fällt und endlich genügend Wasser unter dem Kiel das Fahren erleichtert. Das Schilf weicht kaum zur Seite, ich erkämpfe mir jeden Meter, drücke mich vorwärts, manövriere mein Boot durch ein Dschungeldickicht aus Schilf – Rohren, Gräsern und einem Teppich aus weißen Seerosenblüten. Ein heikler Ort, dessen bin ich mir bewusst, ich könnte etwas verletzen. Da öffnet sich der Blick auf den See, das moorig braune Wasser wippt leicht, versetzt das Boot in ruhiges schaukeln, und wenn ich das Paddel eintauche schäumt und gurgelt es, produziert kleinste Luftblasen auf der Oberfläche. Am rechten Ufer grasen Kühe, wedeln mit dem Schwanz und drehen den Kopf nach dem Rücken, sind geplagt von Mücken, zwischen einzelnen Wacholderbüschen. Die Weide steigt sanft an und stößt an einen Bauernhof, auf der gegenüberliegenden Seite dominieren dunkle Tannen, zwischen Waldrand und Ufer ragen flache Felsen aus dem Wasser. Paddel ich dorthin und setze mich ein wenig auf die Steine, oder schaffe ich es bis zur Insel? Da schiebt sich eine dunkle Wolke vor die Sonne. Schweden, Sommerurlaub 2018, nachmittags gegen halb fünf. (Gewitter) O-Ton Simeon Das war ein sehr tolles Abenteuer: Wir waren, das war letztes Jahr gegen Ende Herbst, wir wollten uns dort treffen, mein Cousin, ich, meine Freunde. Wir sind hingekommen und dann hatte es angefangen zu regnen. Es hatte erst getröpfelt, dann habe ich schnell, wir haben auch ne riesige Wasserrinne im Wald gefunden, haben wir hin montiert, haben das Welldach draufgelegt und haben dann das Wasser aufgefangen, während dem Regen ein bisschen Karten gespielt unter dem Welldach, eigentlich ganz gut. Mein Freund Johannes hatte vor kurzem seine Koffer zu packen. Die Entscheidung fiel nach einer kurzen Zeit des Bedenkens und Abwägens: Jawohl, wir ziehen um, raus aus der Stadt, rein in die Natur! Jetzt wohnt er mit seiner Familie im Naturfreundehaus auf dem Ebberg kurz vor Schwerte, einer mittelgroßen Stadt zwischen Hagen und Dortmund am Fuße des Sauerlandes. Johannes kümmert sich um die Webseite, beantwortet Fragen und reserviert Zimmer, während seine Frau Steffi das Jugendgästehaus mitsamt der Gastronomie leitet. Ich schreibe ihm eine Nachricht und frage: Johannes, wie lebst du deine Freundschaft mit der Natur? (O-Ton Johannes) Ich glaube, die Naturfreundschaft beginnt damit, dass man als Mensch, und das sage ich auch für mich ganz persönlich, überhaupt erst mal wieder lernt und anfängt die Natur und die Umwelt als solches wahrzunehmen. Wir haben ja lange in der Stadt gewohnt und da hat man ganz andere Faktoren, die einen umgeben. Man hört Menschen, die sich streiten, man hört Autos, man hört Hupen, man hört Lärm, man hat wenig frische Luft, es ist Smog, es ist Lärm, es ist alles irgendwie stickig und hier oben angekommen im Naturfreundehaus, man hört die Vögel zwitschern, man sieht ganz viele verschiedene Grüntöne in den Bäumen und in den Wäldern, man hört es rascheln, abends hört man so´nen Uhu der ruft – also man hat plötzlich Dinge, die man wahrnimmt, die man vorher nicht wahrgenommen hat oder die man nur so als Beiwerk wahrgenommen hat. Ein ganz konkretes Beispiel kann ich dazu geben: Wir haben hier unten bei uns im Haus einen kleinen Rosenstock. Als wir hier eingezogen sind, hat der Rosenstock eine einzige Blüte gehabt und mittlerweile gibt es an diesem Rosenstock insgesamt sieben Blüten, die auch blühen. Und das nimmt man wahr und sagt, guck mal unsere Rosen blühen, dass ist was, was man eigentlich in der Stadt nicht tut. Man wird wieder sensibilisiert hier oben für das was Natur und Umwelt ist. Und man lernt auch mit der Natur anders umzugehen, man achtet schon darauf, dass man nicht zu viel Plastik verwendet und man achtet schon darauf, dass man seinen Müll wegräumt, wenn man hier in der Natur unterwegs ist, dass die Wege sauber gehalten werden, dass man die Natur schont. Doch, das muss ich ganz ehrlich sagen, dass ist für auch das, was für mich eine Naturfreundschaft ausmacht. (Grillen) Und nun leide ich ein bisschen, ich stelle fest, wie wenig ich der Natur, der Schöpfung mit meinen Worten und Aufnahmen gerecht werde. Wie groß und gewaltig, aber auch mikroskopisch klein, fein, detailliert, geheimnisvoll, kreativ, wie vielfältig gestaltet sich Natur. Ich komme einfach nicht hinterher, geschweige denn könnte ich irgendetwas bändigen. Das derzeit größte serienmäßig hergestellte Puzzle zählt 48.000 Teile. Momentan fühle ich mich so, als habe ich hier 2-3 Puzzle Teile beigesteuert Es ist grün, es ist kalt und warm, es hat Bäume, es duftet, man kann auch Fußball spielen, grillen, die Sonne strahlt, es sind viele Steine da, Rehe, Füchse, Eichhörnchen, Schmetterlinge, Kühe und Pferde, man kann an einem Bach entlanglaufen... (Bach) Raus in die Natur, denn das ist.. Glück!
Upload Datum: 03.06.2019

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Zum Autor: Andreas Fritz... noch neu hier... Radio-Feature sind klasse :)) Brötchen verdiene ich als Triebfahrzeugführer bei der Deutschen Bahn. Georges Perec ist mein Vorbild (Buch: Der Versuch einen Platz in Paris zu erfassen). Mit Aufnahmegerät, Notizblock ziehe ich los, notiere, was ich sehe, nehme auf, was das Mikrofon fängt. Texten, Basteln, Komponieren. Welches Projekt mache ich als nächstes?

Website: http://www.kopfkino-fritz.de

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