Geld für Rossini in Wildbad

Feature von Widmar

Dauer: 8:10 Minuten

Audio-Nr: #609

Inhalt: Was ein Förderverein erreichen kann, zeigt eindrucksvoll das Opernfestival "Rossini in Wildbad". Fast 2 Millionen Euro wurden gesammelt für die Restaurierung des historischen Kurtheaters, in dem Weltstars wie der Rossini-Papst und Dirigent Alberto Zedda für wenig Geld auftreten.

Schlagworte: Rossini,Wildbad,Oper,Schwarzwald,Schönleber,Jochen,Katzenberger,Frank,Zedda,Alberto

Skript: Geld für Rossini in Wildbad Was ein Förderverein im Kulturbetrieb erreichen kann Ein Feature von Widmar Puhl Regie: Widmar Puhl Produktion: Widmar Puhl, 20.01.2009 Studiotechnik: Cool Edit Pro Besetzung: 1. Autor: Autor 2. Overvoice-Sprecher: Karl Rudolf Menke Musikrechte frei: genehmigte Eigenaufnahme: - Live-Ausschnitt aus “L´occasione fa il ladro“ (Dirigent Antonio Fo-gliani, Wildbad, 17. Juli 2005) 1. aus der Ouvertüre - S.o. 2. Finaletto des 1. Aktes Geschätze Länge der freistehenden Atmos: – 0´30 - Straßenbahn Wildbad - Enz rauscht - Proben Musik 1: (Rossini, Ouvertüre „Occasione“) Autor: Klein, aber fein: Das Festival “Rossini in Wildbad”, alle Jahre wieder im Juli. Seit 16 Jahren pilgern sie in den Schwarzwald: Sänger, Or-chester, Dirigenten und Opernliebhaber bevölkern dann den kleinen Kurort im Enztal. Inzwischen kann man sogar von Karlsruhe und Pforzheim mit der Straßenbahn anreisen, und mit dem Verbundnetz von Stuttgart und Heilbronn. Atmo 1: Enz rauscht (einblenden & unterlegen) Autor: Wildbad war für seine Thermalquellen schon im Mittelalter bekannt und im 19. Jahrhundert eines der bedeutendsten Kurbäder Deutsch-lands. Auch Rossini suchte hier Erholung. Von der Endhaltestelle im Kurzentrum schlendert man ein paar Minuten entlang des Flüsschens Enz. Und da steht es, äußerlich frisch renoviert: das kleine königliche Kurtheater aus dem Jahr 1864. Innen ist aber erst der Zuschauer-raum restauriert. Der zweigeschossige Fachwerkbau des Architekten Albert von Berger wurde zunächst privat finanziert und später an den Staat Baden-Württemberg verkauft. Zu diesem Zeitpunkt wurde be-reits sehr erfolgreich Sommertheater für Kurgäste darin gespielt. Auch im 20. Jahrhundert noch und nach dem Zweiten Weltkrieg wie-der. Doch Ende der 60er Jahre war die hölzerne Innenverkleidung verschimmelt und wurde entfernt. Dabei blieb es, bis 1983 der Pianist Justus Franz in Wildbad kurte, die Bescherung sah und sich für die Rettung des Kurtheaters einsetzte. 1987 wurde ein „Förderverein Kurtheater Wildbad“ gegründet, um diesem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Vereinsvorstand Frank Katzenberger erinnert sich: O-Ton 1: Katzenberger 1 – 0´33 Man musste das Theater gesehen haben in dem Zustand etwa in den 80er Jahren, als es Lagerraum gewesen ist für die Kurgärtnerei. Es war baulich in einem jämmerlichen und sehr verfallenen Zustand, und da war natürlich auch das Kostenproblem eine Frage, wobei der Denkmalschutz von Anfang an gesagt hat: Dieses Gebäude ist erhal-tenswürdig und auch erhaltensfähig. Das sind die Kriterien auch für die Förderung im Bereich des Denkmalschutzes. Autor: Eigentümer war das Land Baden-Württemberg. Und bevor ein Fi-nanzministerium so ein Objekt einem freier Träger übergibt, muss der erst beweisen, dass er dessen würdig ist. Das Haus ist von außen eher schmucklos, bis auf die klassizistische Fassade mit einem zentralen Balkon, den Säulchen und Giebelchen einfassen. Der Zuschauerraum besteht aus Holz – wegen der Akus-tik. Die Kassettendecke ist im Stil der Renaissance gehalten. Die Ga-lerie im ersten Stock hat einen neobarocken Schwung mit ihren Gold- und Stuckverzierungen. Trotzdem passt alles irgendwie zusammen. Dieses Theaterchen fasst 200 Zuschauer. Und obwohl die noch überall auf roh lackierte Bohlen oder Preßspanplatten treten, finden es alle zum Küssen, meint Intendant Jochen Schönleber: O-Ton 2: Schönleber 1 – 0´11 Das ist wirklich eine sehr große Freude und Überraschung, wie die-ses Kurtheater schon von Anfang an funktioniert, und wie hübsch es ist. Jeder, der hineinkommt, sagt: Ah, Oh, und möchte gern wieder hinein. Atmo Proben „Inganno“ entfernt - unterlegen Es ist heiß in den Tagen vor der Wiedereröffnung. Aus den offenen Seitentüren sind Proben zu hören. Alberto Zedda studiert Inganno felice ein – die glückliche Täuschung. Zedda wurde 1928 in Mailand geboren und gilt als der erfahrenste Rossini-Dirigent unserer Zeit. Von 1961 bis 1963 dirigierte er an der Deutschen Oper in Berlin, dann in New York, München und Wien. 1992 bis 93 war er künstleri-scher Leiter der Mailänder Scala unter Intendant Ricardo Muti. Er ist Herausgeber der Rossini-Gesamtausgabe und leitet das Rossini-Festival in Pesaro sowie das Mozart-Festival in La Coruña. In der Pause hat der Maestro Zeit für ein kleines Gespräch. Wie fühlt man sich, wenn man von den großen Bühnen der Welt hier in dieses inti-me kleine Theater kommt? O-Ton 3: Interview Alberto Zedda – 1´59 (Zedda: Overvoice!) Zedda – I feel very well... better than me. Ich fühle mich sehr gut, und ich glaube, mit Publikum wird das phan-tastisch. Die Akustik ist sehr stark, manchmal sogar etwas zu viel, vielleicht noch etwas hallig. Aber mit Publikum wird es eine perfekte Balance. Wir spielen sehr gut. Vom Orchestergraben aus hört man alles sehr klar, auch das Ensemble. Aber das können Sie im Zu-schauerrum besser beurteilen als ich. Frage: If in the public... problems or not? Wenn jemand hustet, macht das Probleme oder nicht? Zedda – Hm... not particularly... historical effée. Hm, eigentlich nicht besonders. Nicht mehr als sonst. Natürlich, alles ist hier sehr klein, aber so hat man damals Musik gemacht. Was Sie hier erleben, die Größe des Orchesters, die Größe des Theaters, das ist authentisch. Frage: Have your ever... theatre? Haben Sie jemals in so einem kleinen, historischen Theater gearbei-tet? Zedda – Hm, No, I think... I link very much. Nein, ich glaube das kleinste war die Piccola Scala, aber die ist gar nicht so klein. Ich finde, die Musik gewinnt dadurch. Diese ersten Rossini-Opern, ich weiß nicht, aber hier ist so eine Produktion ein-fach phantastisch. Das ist wirklich Kammeroper und in diesem Sinne etwas aristokratisch. Ich mag das sehr. Autor (weiter Atmo 3: Proben „Inganno“ entfernt – unterlegen): Rossini in Wildbad, das heißt jedes Jahr drei oder vier Opernproduk-tionen, dazu eine Belcanto-Matinee, ein Liederabend, ein Konzert der Meisterklasse der Belcanto-Akademie. Bisher fand das alles im alten Kursaal mit gut 400 Plätzen statt, in drangvoller Enge. Ein Jugend-programm, ein Rossini-Festmenü im Hotel “Bären”, wo Gioacchino Rossini 1856 während seiner Kur wohnte. Und die Belcanto-Akademie: Workshops für Nachwuchs-Sänger, geleitet von Stars wie dem italienischen Tenor William Matteuzzi oder Rossini-Papst Alber-to Zedda. Und jetzt wird eben auch noch das neue alte Kurtheater wieder be-spielt. Dazu kommen Konzerte und eine Benefiz-Vorstellung des be-kannten Figurentheaters Raphael Mürle. Gut, dass Wildbad so über-schaubar ist: Oben auf dem Hügel der Kursaal, unten an der Enz, wenn auch ganz nah, das Kurtheater. Hat sich Intendant Jochen Schönleber das so vorgestellt, bei seiner langjährigen Suche nach erweiterten Spielmöglichkeiten, neuen Spielstätten für sein Festival? O-Ton 4: Schönleber 2 – 0´24 Um ehrlich zu sein: nein, weil wir hatten eigentlich immer auf ne grö-ßere Spielstätte gehofft, die wir womöglich mit der Trinkhalle be-kommen, wenn mal Geld dafür da ist, diese zu renovieren. Aber wir haben das Kurtheater, als die Chance sich bot, es zu renovieren, mit dieser unglaublichen Leistung des Fördervereins Kurtheater, doch als Chance auch für uns betrachtet und haben versucht, hier ein Maxi-mum an tollem Programm reinzubringen. Und wir sehen, dass die Resonanz da ist. Musik Rossini „Occasione“, finaletto 1. Akt ENDE
Upload Datum: 31.01.2009

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